Dummy Reversal

Die folgende Hand wurde am 21.11.2020 im Unterricht behandelt und passt thematisch wunderbar als Ergänzung zur „Hand des Monats vom Dezember 2020“:

Klicken Sie 2x auf Next, um die Reizung und den Dummy zu sehen.

Das Ausspiel: 

Mir ist zwar vor kurzem passiert, dass im Großschlemm mit 35 gemeinsamen Punkten ausgerechnet ein Ass fehlte. Das Ergebnis war dementsprechend auch etwas suboptimal. In der Regel sollten Sie aber davon ausgehen, dass Ihr Gegner einigermaßen weiß, was er tut und im Großschlemm in allen Farben eine Erstrundenkontrolle hat.  Dementsprechend ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Sie sofort einen Stich machen. Sie sollten vielmehr darauf hoffen, dass Ihr Gegner keine 13 Stiche hat. Wenn Sie zu aggressiv ausspielen, riskieren Sie, Ihrem Gegner der 13. Stich zu schenken. Deshalb wählt man gegen einen Großschlemm normalerweise das passivste Ausspiel. Das ist in vielen Fällen Trumpf. Normalerweise sollte der Gegner in einem Großschlemm so solide Trümpfe haben, dass Sie mit einem Trumpfausspiel Ihrem Partner nur selten eine Figur herausschneiden. Von der Regel sollten Sie natürlich abweichen, wenn Sie den vierten Trumpf Buben oder eine ähnliche Haltung haben.

Bestandsaufnahme:

Nach dem Ausspiel sehen Sie, dass Sie folgende Striche haben:

  • 5 Stiche in ♠
  • 1 Stich in
  • 3 Stiche in
  • 3 Stiche in ♣

Die Mathematiker unter uns kommen so auf 12 Stiche, die recht sicher erscheinen.  Eine sinnvolle Strategie erscheint es aber zu sein, sich im Großschlemm nicht nur mit 12 Stichen zu begnügen. Woher könnte der 13 Stich kommen. Folgende zwei Möglichkeiten fallen einem da ein:

  • Die Karos sitzen 3-3.
  • Die Karos sitzen zwar 4-2. Der Spieler mit dem 2er hat aber nur maximal 2 Trümpfe.

Die zweite Chance ist genau die Spieltechnik, die auch in der „Hand des Monats vom Dezember 2020“ vorgeschlagen wird.

Probieren Sie Ihr Glück, indem Sie auf Play klicken und das Board durchspielen. Eine Musterlösung können Sie sich anschauen, indem Sie immer wieder auf Next klicken:

Dummy Reversal

Es gibt jedoch eine bessere Spieltechnik, bei der Sie sogar erfüllen können, wenn der Gegner mit den kurzen Karos den letzten Trumpf hat. Wenn Sie mit der kurzen Trumpffarbe stechen, machen Sie meist einen Stich mehr. Wenn Sie mit der langen Trumpffarbe stechen, gilt dies normalerweise nicht, weil Sie mit Karten stechen, mit denen Sie sowieso einen Stich machen. Da das Stechen mit der langen Trumpffarbe nur Ihre Trumpfqualität schwächt, macht man dies meist nur, wenn einen die Gegner dazu zwingen.

Eine Ausnahme ist, wenn Sie mit der langen Trumpffarbe so oft stechen, dass sie zur kurzen Trumpffarbe wird und der Dummy dadurch zur langen Trumpffarbe. Wenn Sie im vorliegenden Board also dreimal mit der Südhand stechen, machen Sie einen zusätzlichen Stich. Anschließend können Sie dann den oder die verbliebenen Trümpfe mit dem Dummy ziehen. Diese Spieltechnik ist sinnvoll, wenn folgende Bedingungen gelten:

  • Es ist einfacher, dreimal mit der langen Trumpffarbe zu stechen als einmal mit der kurzen Trumpffarbe.
  • Sie haben am Dummy mindestens einen hohen Trumpf, mit dem Sie die verbliebenen Trümpfe der Gegner ziehen können.
  • Die gegnerischen Trümpfe stehen 3-2. Nur dann sind Sie in der Lage, nach dem Stechen noch alle verbliebenen Trümpfe der Gegner zu ziehen. Wenn Sie genug Übergänge haben, können Sie oft testen, wie die Trümpfe stehen, bevor Sie die Spieltechnik anwenden.
  • Sie brauchen genug Übergänge zum Dummy, damit Sie dreimal eine Karte vom Dummy stechen können und anschließend wieder zum Dummy kommen zum Ziehen der Trümpfe.

Im Prinzip ist die hier anzuwendende Spieltechnik nicht besonders schwierig. Das große Problem ist aber – neben den beschriebenen Voraussetzungen – zu sehen, dass man sie in einem Board erfolgreich anwenden kann. Insofern übersehen selbst sehr gute Spieler oft die Möglichkeit eines Dummy Reversals. In den meisten Fällen (allerdings nicht immer) kommt die Situation dann vor, wenn der Dummy eine 4333 Verteilung hat und der Alleinspieler ein Single in der vierer Farbe.  In einem solchen Fall sollte man im Hinterkopf haben, ob nicht ein solches „Dummy Reversal“ anwendbar ist.

Schauen Sie sich die Musterlösung an, indem Sie mehrmals auf Next klicken. Sie können das Board auch selber spielen, indem Sie auf Play drücken.

Die hier angewendete Spieltechnik nennt sich Dummy Reversal, weil Sie die lange Trumpfseite zur kurzen machen und umgekehrt, also quasi den Dummy umdrehen. Wie Sie sehen, erfüllen Sie auch, obwohl die Ost-Hand nur zwei Karos und den dritten Trumpf hält, was mit der eingangs beschriebenen Spieltechnik nicht möglich gewesen wäre. Die Gefahr beim Dummy Reversal besteht darin, dass ein Gegner sticht, wenn Sie einen der Übergänge zum Dummy nutzen. Aber gerade wenn Sie zu diesem Zeitpunkt schon zweimal Trumpf gezogen haben, können Sie sich den Stich im späteren Verlauf des Boards meist wiederholen.